KI-generierte Café-Szene mit verchromter Espressomaschine – wirkt wie ein echtes Foto.

KI-generiert · Studienkorpus

Typische Bildfehler · Bachelorarbeit

Das makellose Bild und seine blinden Flecken.

KI-Bilder sehen zuverlässig gut aus – und genau das kann ihre Fehler verdecken. Auch die Szene hier ist komplett KI-generiert.

Einleitung

Diese Seite geht vier Fehlerbereiche durch: Körper und Anatomie, die Logik einer Szene, Licht und Raum – und Rollenbilder, die sich an keiner einzelnen Bildstelle festmachen lassen. Dass solche Brüche unter einer überzeugenden Oberfläche untergehen können, nennt SemantIC den Maskierungseffekthergeleitet wird er unter Funktionsweise.

Die Beispiele auf dieser Seite stammen aus dem empirischen Teil der Bachelorarbeit – 144 KI-generierte Bilder, systematisch codiert. Zwei von drei fotorealistischen Bildern darunter (71 von 106) trugen mindestens einen Fehler – in diesem Korpus die Regel, kein Ausreisser. Alle Markierungen weiter unten kommen aus dieser manuellen Codierung, nicht aus einem frischen Modelllauf. Es ist ein eigener Korpus, kein repräsentativer Querschnitt aller KI-Bilder.

Anatomie

Wenn Körper nicht zusammenpassen.

Der Klassiker unter den KI-Fehlern – im Korpus die seltenste der drei Fehlerarten, in dichten Szenen mit mehreren Personen aber weiterhin da. Wo sich Menschen überlappen, verliert die KI die Grenze zwischen zwei Körpern – Arme und Beine gehen ineinander über. Hände bleiben ihr eigenes Problem: mal ein Finger zu viel, mal eine Hand zu viel für die Haltung.

Überfüllter Krankenhaus-Wartebereich; im Vordergrund rechts eine Pflegerin am Empfangstisch, links wartende Patienten auf Stühlen.
KI-generiert · Studienkorpus, Bild SD_emergencyroom_03
  1. Verschmelzende GliedmassenBei der wartenden Frau und dem Kind auf ihrem Schoss gehen Arme und Beine ineinander über – die KI verliert an den Überlappungen die Grenze zwischen zwei Körpern.
  2. Zu viele FingerAn der Hand des daneben wartenden Mannes lassen sich mehr Finger zählen, als anatomisch möglich sind.

Markierungen aus der manuellen Codierung (Phase 1)

Café-Innenraum; eine Barista mit Schürze hinter dem Tresen hält ein Tablett, im Vordergrund Gäste an Laptops.
KI-generiert · Studienkorpus, Bild FL_coffeeshop_02
  1. Zu viele HändeDie Barista scheint das Tablett gleichzeitig von oben und von unten zu halten – es sind mehr Hände im Bild, als die Haltung zulässt.

Markierungen aus der manuellen Codierung (Phase 1)

Kontext

Wenn die Szene keinen Sinn ergibt.

Diese Brüche findet keine Lupe und kein Detektor – nur der Abgleich mit dem Weltwissen. Ein Laptop ohne Bildschirm, eine Zimmerpflanze in der Kaffeetasse, ein gefülltes Weinglas am Kinderplatz: technisch tadellos gerendert, inhaltlich absurd. Weil das Bild sauber aussieht, fällt das Falsche erst beim zweiten Blick auf.

Café mit Gebäckvitrine; mehrere Gäste sitzen an kleinen Tischen an Laptops, am Fenster Blick auf die Strasse.
KI-generiert · Studienkorpus, Bild FL_coffeeshop_01
  1. Laptop ohne BildschirmDer Gast im Vordergrund tippt auf einem Laptop, dessen Display fehlt – das Gerät ergibt so keinen Sinn.
  2. Pflanze aus der TasseAus einem Gefäss, in dem Kaffee stehen sollte, wächst eine Zimmerpflanze.

Markierungen aus der manuellen Codierung (Phase 1)

Mehrgenerationen-Familie an einem festlich gedeckten Esstisch, ausgelassene Stimmung, Braten und Rotwein in der Mitte.
KI-generiert · Studienkorpus, Bild NB_dinner_04
  1. Weinglas am KinderplatzAm Platz des kleinen Jungen steht ein gefülltes Rotweinglas – inhaltlich absurd, aber technisch tadellos gerendert.

Markierungen aus der manuellen Codierung (Phase 1)

Physik

Wenn Licht und Raum nicht stimmen.

Die häufigste Fehlerart im Korpus – und meist die subtilste. Spiegelungen, die nicht zur Szene davor passen, Bildschirme, die zur falschen Seite zeigen: Details, die kaum auffallen, weil das Bild sonst überzeugend wirkt. Genau hier setzt der Maskierungseffekt an.

Café mit grosser verchromter Espressomaschine hinter dem Tresen; eine Barista bereitet Kaffee zu, am Fenster ein Gast am Laptop.
KI-generiert · Studienkorpus, Bild FL_coffeeshop_04
  1. Falsche SpiegelungDie verchromte Espressomaschine spiegelt eine Umgebung, die nicht zur Szene davor passt.
  2. Bildschirm zur falschen SeiteDer Laptop am Fenster zeigt seinen Bildschirm zur falschen Seite – nicht von der davorsitzenden Person weg.

Markierungen aus der manuellen Codierung (Phase 1)

Urgent-Care-Wartebereich mit Empfangstresen und Glastrennwand; wartende Personen, rechts eine telefonierende Pflegerin.
KI-generiert · Studienkorpus, Bild NB_emergencyroom_01
  1. Spiegelung stimmt nichtIn der Glastrennwand spiegeln sich die Deckenlampen und das Schild falsch – ein Bruch, der kaum auffällt, weil das Bild sonst überzeugend wirkt. Genau das ist der Maskierungseffekt.

Markierungen aus der manuellen Codierung (Phase 1)

Stereotype

Der Fehler ohne Bildstelle.

Manche Fehler sind keine markierbare Stelle, sondern ein Muster. Auf «a nurse» liefert die KI typischerweise eine junge, attraktive Frau, auf «a CEO» einen Mann in Führungspose. Wahrgenommenes Geschlecht oder Hautfarbe sind für sich kein Befund – erst die stereotype Rollenbesetzung schlägt an.

Junge, lächelnde Pflegerin in weisser Uniform mit Haube und Stethoskop in einem Krankenhausflur.
Prompt: „nurse“Auf «nurse» liefert die KI zuverlässig eine junge, attraktive Frau – Rolle und Körperbild sind stereotyp besetzt.
Mann mittleren Alters im dunklen Anzug mit Krawatte in einem modernen Eckbüro mit Skyline und Kurschart im Hintergrund.
Prompt: „CEO“Auf «CEO» liefert sie einen Mann in Führungspose im Chefbüro – das komplementäre Rollen-Stereotyp.

Ausblick

Der auffällige Fehler ist die Ausnahme – der subtile die Regel.

Die Suche nach dem sechsten Finger allein trägt nicht weit: Schon in diesem Korpus dominieren nicht die Anatomie-Artefakte, sondern Physik- und Kontextbrüche – und je stärker ein Bild kuratiert ist, desto schwerer fällt der Fehler auf. Reine Artefakt-Suche ist damit unzuverlässig. Deshalb prüft SemantIC nicht «echt oder gefälscht», sondern die Kohärenz eines Bildes.

Bild prüfen lassen

Wie SemantIC daraus ein Urteil bildet, steht unter So funktioniert SemantIC.